Lymphödem und Lipödem: Unterschiede, Symptome und die richtige Versorgung
- 15. Juni
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 3 Stunden
Schwere, geschwollene Beine – dieses Symptom kann viele Ursachen haben. Zwei davon, die häufig verwechselt oder lange nicht erkannt werden, sind das Lymphödem und das Lipödem. Obwohl beide Erkrankungen mit Schwellungen und Beschwerden an den Extremitäten einhergehen, sind sie in ihren Ursachen, ihrem Erscheinungsbild und ihrer Behandlung grundlegend verschieden. Wir erklären den Unterschied und zeigen, welche Rolle das Sanitätshaus in der Therapie spielt.

Was ist ein Lymphödem?
Ein Lymphödem entsteht, wenn das Lymphgefäßsystem geschädigt oder überlastet ist und Lymphflüssigkeit nicht mehr ausreichend abtransportiert werden kann. Die Flüssigkeit staut sich im Gewebe und verursacht Schwellungen – meist einseitig, häufig an Armen oder Beinen.
Man unterscheidet:
Primäres Lymphödem: angeboren oder ohne erkennbare äußere Ursache – das Lymphgefäßsystem ist von Geburt an unterentwickelt oder fehlgebildet
Sekundäres Lymphödem: erworben – häufig als Folge von Krebsoperationen (z. B. Entfernung von Lymphknoten bei Brustkrebs), Bestrahlungen, Infektionen oder Verletzungen
Typische Symptome des Lymphödems:
Schwellung, die sich über den Tag aufbaut und morgens besser ist
Schweregefühl und Spannungsgefühl in der betroffenen Extremität
Haut wirkt prall und lässt sich kaum eindrücken (nicht pitting)
Im fortgeschrittenen Stadium: Verhärtung und Vergröberung der Haut
Was ist ein Lipödem?
Das Lipödem ist eine chronische Erkrankung des Fettgewebes, die fast ausschließlich Frauen betrifft. Es kommt zu einer krankhaften, symmetrischen Vermehrung des Unterhautfettgewebes – typischerweise an Hüften, Oberschenkeln und Unterschenkeln, während Füße und Hände ausgespart bleiben. Ursachen sind noch nicht vollständig erforscht, jedoch spielen hormonelle Faktoren und genetische Veranlagung eine wesentliche Rolle.
Typische Symptome des Lipödems:
Symmetrische Schwellung an Beinen oder Armen – Hände und Füße ausgespart (wichtiges Unterscheidungsmerkmal)
Druckschmerzhaftigkeit des Fettgewebes – selbst leichte Berührung kann schmerzen
Neigung zu blauen Flecken (Hämatome) ohne erkennbare Ursache
Beschwerden bessern sich durch Diät oder Sport kaum – das Fettgewebe reagiert nicht auf Gewichtsreduktion
Häufig psychische Belastung durch das veränderte Körperbild
Lymphödem vs. Lipödem – die wichtigsten Unterschiede
Ursache: Lymphödem = Störung des Lymphsystems / Lipödem = krankhafte Fettvermehrung
Symmetrie: Lymphödem oft einseitig / Lipödem immer beidseitig
Füße/Hände: beim Lymphödem betroffen / beim Lipödem ausgespart
Schmerz: Lymphödem eher Druckgefühl / Lipödem oft Druckschmerz und Spontanschmerz
Betroffene: Lymphödem Männer und Frauen / Lipödem fast ausschließlich Frauen
Die Rolle der Kompressionsversorgung in der Therapie
Bei beiden Erkrankungen ist die Kompressionstherapie ein zentraler Bestandteil der Behandlung. Gemeinsam mit der Manuellen Lymphdrainage bildet sie die Komplexe Physikalische Entstauungstherapie (KPE) – den medizinischen Goldstandard bei Lymph- und Lipödem.
Für das Lymphödem:
Flachgestrickte Kompressionsstrümpfe oder -armlinge mit hohem Arbeitsdruck – speziell für Lymphpatienten gefertigt
In der Entstauungsphase: mehrlagige Kompressionsbandagierungen
Für das Lipödem:
Rundgestrickte oder flachgestrickte medizinische Kompressionsstrümpfe der Klasse 2 oder höher
Ziel: Schmerzreduktion, Verhinderung von Fortschreiten, Verbesserung der Lebensqualität
Wichtig: Kompressionsprodukte für Lymph- und Lipödem unterscheiden sich von Standardprodukten. Eine fachgerechte Anpassung im Sanitätshaus ist zwingend notwendig – von der Maßnahme bis zur Auswahl des richtigen Produkts.
Kostenübernahme durch die Krankenkasse
Sowohl beim Lymphödem als auch beim Lipödem übernehmen gesetzliche Krankenkassen bei ärztlicher Verordnung die Kosten für die Kompressionsversorgung. Beim Lipödem hat sich die Anerkennung als eigenständiges Krankheitsbild in den letzten Jahren deutlich verbessert – seit 2019 ist die Liposuktion (Fettabsaugung) bei schwerem Lipödem als Kassenleistung anerkannt.
Für die Kompressionsversorgung gilt: Mit Rezept werden die Kosten erstattet, eine Zuzahlung von 10 % (min. 5 €, max. 10 €) fällt an. Bei aufwendigen Maßanfertigungen kann eine Vorabgenehmigung der Krankenkasse erforderlich sein – wir unterstützen Sie dabei.
Fazit
Lymphödem und Lipödem sind chronische Erkrankungen, die einer langfristigen, konsequenten Therapie bedürfen. Die Kompressionsversorgung spielt dabei eine tragende Rolle – sie lindert Beschwerden, bremst das Fortschreiten und verbessert die Lebensqualität spürbar. Eine genaue Diagnose und eine individuell angepasste Versorgung sind der Schlüssel.
Sie haben eine Diagnose erhalten oder vermuten, an einem Lymph- oder Lipödem zu leiden? Im Sanitätshaus von Schlieben beraten wir Sie umfassend zur Kompressionsversorgung und begleiten Sie auf dem Weg zu mehr Wohlbefinden.



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